Presse

 

Wiesbadener Tagblatt


Auf dem Lern-Planeten wird in 20 Sprachen unterrichtet


Der Lehrstoff im eigenen Vokabular, aber auch intensive Deutschkurse

Von Babara Yurtöven

 

 

Lernen mit StreicheltierBildungschancen in Deutschlange seien ungleich verteilt, heißt es immer wieder.

Wer aus ärmeren Verhältnissen komme oder einen Migrationshintergrund habe, sei in der Schule benachteiligt. Zahlreiche Institutionen bemühen sich jedoch um Schülerforderung Nachhilfe, und Hausaufgabenüberwachung.

Heute stellen wir in unserer Serie den Wiesbadener Lern-Planeten vor.

 



Laut Definition ist ein Lern-Planet ein Himmelskörper, dessen Name sich vom altgriechischen Wort „plánetes – die Umherschweifenden“ ableitet. Der Wiesbadener Lern-Planet schweift allerdings nicht umher, er hat sein festes Ziel bereits gefunden.


Gegründet wurde das, was sich heute Lern-Planet nennt, als Institut für multilinguale Nachhilfe und heilpädagogische Intensivförderung. Ein Wortungetüm, das für Kinder nur schwer beherrschbar war.


Was ist so anders am Lern-Planeten?

Der Lern-Planet bietet multilinguale Nachhilfe und das, so konstatiert sein Erfinder und Leiter Benjamin Bulgay, als einziges Institut bundesweit. In 20 verschiedenen Sprachen können die qualifizierten Mitarbeiter mit den Kindern lernen. „Die Muttersprache ist für uns, unabhängig von der Herkunft, die Sprache, die die Kinder am Besten können“, erläutert der Pädagoge. Beherrschen die Kinder also die deutsche Sprache nicht ausreichend, um den Schulunterricht zu folgen, wird ihnen der Lehrstoff in „ihrer“ Sprache vermittelt.

Zusätzlich gibt es Intensivkurse für Deutsch, um die Integration in die Regelschule zu erleichtern. Oftmals gibt es aber ebenso viele Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, wie in der Muttersprache. „Mix-Sprache“ heißt im Lern-Planet die Lösung für dieses Problem. „So wie die Kinder in einer Mischung der Sprachen reden, so reden wir auch“, erläutert Bulgay. „Wichtig ist für uns, dass die Kinder aber auch deren Eltern sich buchstäblich verstanden fühlen. Mit der Mix-Sprache wird allerdings nur in den ersten drei Monaten gearbeitet, danach wird auf Deutsch umgestellt.“

 

Wie schwer es ist, ohne ausreichende Sprachkenntnisse in deutschen Schulen zu bestehen, hat Benjamin Bulgay am eigenen Leib erfahren. Mit zehn Jahren kam er Ende 1974 aus der Türkei nach Deutschland und wurde altersgemäß in die vierte Klasse der Schumann-Schule eingeschult. Mit viel Ehrgeiz, Fleiß und Begabung schaffte er es über Haupt- und Realschule bis zum Abitur.

 

Thema als Doktorarbeit

Im Zusammenhang mit seiner Diplomarbeit im Fachbereich Pädagogik untersuchte Bulgay die Entwicklung von Emigranten im Generationsvergleich der letzten 30 Jahre und wurde anschließend ermuntert, dieses Thema als Doktorarbeit auszubauen. Bei der Vertiefung des Themas entwickelte er verschiedene pädagogische Thesen, die er in der Praxis ausprobieren wollte. Im Gemeinschaftszentrum Gewerbeschule startete er mit sieben anderen Mitstreitern ein Nachhilfeangebot für eine Mark in der Stunde. Das war der Anfang vom Ende seiner Doktorarbeit, aber der Anfang eines überaus erfolgreichen Lernprojektes, welches seit 1994 erfolgreich ist. „Der Lern-Planet ist meine Doktorarbeit und ich bin glücklich damit“, lacht Bulgay.


Nicht nur ausländische Kinder machen regelmäßig auf dem Lern-Planeten Station. Das Verhältnis von ausländischen und deutschen Kindern hält sich die Waage. Die rund 100 Kinder, die derzeit betreut werden, kommen aus allen Schulformen.

Ein- bis dreimal die Woche werden sie hier einzeln oder in Vierergruppen unterrichtet und das zum Preis von fünf Euro pro Stunde in der Vierergruppe. Schlechte Noten sind (natürlich) der Grund dafür, wenn Eltern nach einer Nachhilfe für ihr Kind suchen. Aber Bulgay hat festgestellt, dass nicht nur Wissenslücken der Grund für schlechte Zensuren sind, sondern oftmals Lernblockaden und Ängste. „Das baut sich über einen längeren Zeitraum auf. Aus Lernlücken, werden Lernblockaden und daraus entstehen Ängste vor Überforderung, vor dem Versagen oder auch die Angst die Eltern zu enttäuschen.“ erläutert der dreifache Vater.

 

An fünf Standorten

In Zusammenarbeit mit den Eltern wird entschieden, welches Vorgehen Sinn macht. Gegebenenfalls auch mit der Unterstützung von Psychologen, Naturheilkundlern und Therapeuten.

Dabei ist es von Vorteil, dass sich der Lern-Planet mittlerweile an insgesamt fünf Standorten zu einem regelrechten Kompetenzzentrum entwickelt hat. Im Haus in der Rheinstraße befindet sich das ambulante Therapiehaus (mit Turnhalle und Innenhof), indem Nachhilfe- und Integrationskurse ebenso stattfinden wie heilpädagogische Förderung, Meditation und Erwachsenenbildung. Gearbeitet wird hier, wie überall auf dem Lern-Planeten mit Elementen der Montessori- und der Waldorfpädagogik, sowie mit Lehrmaterialien, die den Schülern aus ihrer Schule vertraut sind.


Familienangebote wie beispielsweise das Konzept „Familienhilfe“ für ausländische Familien ohne ausreichende Deutschkenntnisse“, das der Lern-Planet in Kooperation mit dem Jugendamt seit über drei Jahren erfolgreich durchführt, gehören ebenfalls zum Programm des Instituts.

 

Mehr Informationen unter www.lern-planet.de