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Wiesbadener Kurier


Entspannt und locker lernen


Nach der Schule landen Kinder und Jugendliche auf dem "Lern-Planet"

Von Bertram Heide, 03.03.2005

 

 

Lernen mit Streicheltieror 13 Jahren hatte ein Student eine Idee und setzte sie in Wiesbaden konsequent um. Heute ist "Lern-Planet" ein Institut für multilinguale Nachhilfe und heilpädagogische Intensivförderung mit vier Standorten in der Stadt.

 


Große Bilder in leuchtend-freundlichen Farben schmücken das Foyer. Kinder und Jugendliche haben sie gemalt. An einer Säule steht ein Klavier, dahinter ein Billard-Tisch. Unter Fotomontagen an einer anderen Wand findet sich noch ein ebenerdiger Ruheplatz mit Matratzen und Kissen, Überbleibsel eines orientalischen Festes, das vor wenigen Tagen gefeiert wurde. Wer den "Lern-Planet" an der Rheinstraße besucht, hat sofort ein Gefühl der tiefen Ruhe und Harmonie.

 

"Am Ende meines Studiums habe ich überlegt, iob das denn alles so richtig ist, wie ich es mir theoretisch vorgestellt habe? Kann das eigentlich in die Praxis umgesetzt werden?" Benjamin Bulgay studierte an der Wiesbadener Fachhochschule Sozialpädagogik und spezialisierte sich schon früh auf Kinder- und Jugendarbeit. Später wechselte er nach Frankfurt, qualifizierte sich in der Erwachsenenbildung und der pädagogischen Psychotherapie.

Und während er an seiner Doktorarbeit schrieb, entstand die Idee für den "Lern-Planet" - also das einfach praktisch umsetzen zu wollen, was man sich über Jahre in einem Studium wissenschaftlich angeeignet hat.

 

Heute besteht der "Lern-Planet" seit zehn Jahren, ist zu einer festen Institution mit einem breiten Angebotsspektrum geworden, bindet Ideen aus der Waldorf- und der Montessori-Pädagogik in das eigene Konzept fest ein.

 

Kinder und Jugendliche aus 24 Nationen landen auf dem "Lern-Planet". "Wir unterrichten in 20 Sprachen, einschließlich Deutsch, Französisch und Englisch. Und mit der Sprache vermitteln wir auch die Kultur des Herkunftslandes. Das gehtHintergrundhin bis zu den landestypischen Schimpfwörtern", sagt der Diplom-Pädagoge. "Wir therapieren aber auch in der jeweiligen Sprache."

Benjamin Bulgay: "Für mich war wichtig, dass wir in Hintergrundschönen Räumen mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten können. Wir gehen aber auch nach draußen." Der "Planet"-Gründer kann inzwischen an vier Standorten in der Stadt seine pädagogische und psychotherapeutische Arbeit sinnvoll aufteilen.

 

An der Dotzheimer Straße geht es eigentlich hauptsächlich um Nachhilfe-Unterricht. An der Biebricher Salizé-Straße und an der Wellritzstraße in den Räumen der "Brücke" steht Anti-Aggressions-Training im Vordergrund. Und am Hauptsitz Rheinstraße 95 ist es die Therapie durch Lernen, Musik, Kunst und Bewegung, auf die sich das Hauptaugenmerk der "Planet"-Mitarbeiter richtet.

 

"Wir arbeiten aber auch handwerklich mit den Kindern in der Natur und mit Naturprodukten", sagt Benjamin Bulgay und hat deshalb drei Gärten gepachtet. In einem befindet sich ein Erfahrungsfeld der Sinne, vergleichbar dem im Schlosspark Freudenberg. Die Kinder bauen ihre eigenen Hütten, reparieren Zäune. In einem anderen Garten gibt es viele Tiere. "Wir haben Heidschnuken und Enten und arbeiten sehr eng mit der Fasanerie zusammen. Die Heidschnuken dort sind unsere und die Fasanerie gibt uns Enten und Gänse." Zweimal im Jahr kommt ein Bauer und lädt Heu ab. Die Kinder müssen das Heu unterbringen und die Tiere füttern.

"Die Kinder sollen Verantwortung lernen und aber auch stolz auf ihre Leistung sein", erklärt Benjamin Bulgay das pädagogische Konzept, "Wir wollen das Selbstwert-Gefühl der Kinder steigern."

Dazu zählt auch das gemeinsame Kochen. Die Kinder lesen das Rezept, rechnen die Zutaten aus, holen sich Geld für den Einkauf in der Verwaltung, gehen einkaufen, rechnen später genau ab, kochen selbst und dürfen als "Nachtisch" das Rezept abschreiben. "Die Kinder und Jugendlichen lernen soviel dabei, die merken es gar nicht, dass sie beispielsweise lesen müssen oder auch im Kopf rechnen." Noch sind übrigens Essen und Trinken auf dem "Planet" für die Kinder und Jugendlichen kostenlos.

 

Das Anti-Agressions-Training, ein Angebotauch für Erwachsene, erstreckt sich über zehn Stunden. Der Theorie folgt die Praxis in der hauseigenen Turnhalle und später geht es nach draußen. "Wir gehen auf den Platz der deutschen Einheit oder vor McDonalds an der Kirchgasse. Die Kinder sollen fremde Kinder und Jugendliche einfach ansprechen. Nicht selber provozieren, sich aber auch nicht provozieren lassen, ist das Motto," erklärt der Pädagoge.

 

Seine Klientel ist eine problematische. Bulgay: "Wir arbeiten mit Kindern, bei denen andere Therapien bereits gescheitert sind. Am Anfang haben wir eine Eins-zu-eins-Betreuung, erst später gehen wir in Gruppen die Probleme an."

 

Den Erfolg können Benjamin Bulgay und sein Team optisch messen. "Viele Kinder verlassen den Lern-Planet ganz stolz und sind spürbar voller Selbstbewußtsein."

 

Mehr Informationen unter www.lern-planet.de