INTERVIEW mit LERN-PLANET-Gründer Benjamin Bulgay Seit Beginn seiner Doktorarbeit hatte Benjamin Bulgay ein Ziel: Er wollte das praktisch umsetzen, womit er sich im Studium theoretisch beschäftigte. Das ist ihm mit dem "Lern-Planet" gelungen - wie, das berichtet er im folgenden Interview. Wann fiel Ihre Entscheidung, sich mit dem „Lern-Planeten“ selbständig zu machen? Bereits am Ende meines Studiums der Sozialpädagogik an der Wiesbadener Fachhochschule fragte ich mich, ob mein erlerntes theoretisches Wissen den Praxistest besteht. Qualifizierungen in der Erwachsenenbildung und der pädagogischen Psychologie folgten während des Aufbau-Studiums Diplom-Pädagogik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Anschließend untersuchte ich als Doktorand, inwieweit Lernschwierigkeiten mit Sprachkompetenz zusammenhängen. Tests bei Migrantenkindern und deutschen Kindern belegten den direkten Zusammenhang von Lernschwierigkeiten und Sprachdefiziten. Im Mathematikunterricht ließ sich dieses eindrucksvoll nachweisen. Das Fach Mathematik beherrschte die Kontrollgruppe bei Tests gleich gut. Allerdings fiel bei Textaufgaben etwa die Hälfte der Kinder durch. Dies betraf ebenso Kinder ohne Migrationshintergrund. Hieraus entstand die Idee für den Lern-Planeten. Erzählen Sie uns aus der Gründerzeit – wie begann der Aufstieg des „Lern-Planeten“? Wir haben im Gemeinschaftszentrum Gewerbeschule in Wiesbaden ein Nachhilfeangebot für eine Mark in der Stunde ins Leben gerufen. Das war 1994 und markiert die Geburtsstunde des Lern-Planeten, aber auch das Ende meiner Doktorarbeit. Welche Meilensteine gab es in der Entwicklung? Begonnen haben wir mit Kinder- und Jugendarbeit; insbesondere Nachhilfe, Sprachkursen, verschiedenen Therapiearten und Anti-Aggressionstraining. Mittlerweile sind wir eine fest etablierte Institution im Rhein-Main-Gebiet mit einem erweiterten Angebotsspektrum. Heute liegt unser Arbeitsschwerpunkt im Therapie- und Maßnahmenbereich, gefolgt von den multilingualen Erziehungshilfen sowie Integrations- und Alphabetisierungskursen. Seit 2002 haben wir unser Therapiezentrum in der Rheinstraße in Wiesbaden. Dort befinden sich unsere Schulungsräume, samt Turnhalle, Werkstätten und Innenhof. Es bietet uns Räume für verschiedene Therapieformen, Erziehungshilfeangebote, Integrations- und Nachhilfekurse. Was ist aus Ihrer Sicht entscheidend für den Erfolg des Lern-Planeten? Das Geheimnis des Erfolgs liegt in der einzigartigen Kombination der Bausteine unseres Konzeptes mit Elementen der Waldorf-, der Montessori- und der Erlebnispädagogik. Wir stehen für einen ganzheitlichen Ansatz verknüpft mit multilingualen und multikulturellen Aspekten, welcher den Menschen in den Vordergrund rückt. |
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig Sprachkompetenz für die Integration ist. Ich kam selbst mit zehn Jahren ohne Deutschkenntnisse aus der Türkei hierher. Damals gab es noch keine Integrationsangebote. Ich habe in der Schule zuerst gar nichts verstanden. Meine Eltern lernten dann in Eigeninitiative mit mir Deutsch. Ausländische Familien ohne ausreichende Deutschkenntnisse unterstützen wir heute mit unserem Angebot „Sozialpädagogische Familienhilfe“ bei der Betreuung bilingual. Im Bereich der Erwachsenenbildung liegt unser Schwerpunkt auf Integrations- und Alphabetisierungskursen. Wenn Kinder zu uns kommen, die die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, um dem Schulunterricht zu folgen, wird ihnen der Lehrstoff zuerst in ihrer Sprache vermittelt. Nach und nach stellen wir auf Deutsch um. Es gibt auch Deutsch- Intensivkurse für SchülerInnen, um die Sprachdefizite auszugleichen und die Integration in der Schule zu erleichtern. Wie geht’s jetzt weiter? Wir haben viele Pläne für den Lern-Planeten. Ab Oktober 2009 bieten wir nun auch die zertifizierte Sprachprüfung Deutsch für den Beruf auf dem Niveau B2 an. Ferner haben wir neue Deutschkurse für Au-Pairs und Kleinkinder in unser Programm aufgenommen; und ein Deutschkurs 50+ für ältere MigrantInnen ist in Planung. Mittlerweile bilden 78 PädagogInnen, PsychologInnen und LehrerInnen verschiedener Nationen das fachlich qualifizierte Team unseres Instituts. Sie leisten ihren Beitrag Bildungschancen von Kindern zu fördern, sprachliche Defizite auszugleichen, Familien zu unterstützen und die Integration der Migranten zu verbessern. Zusätzlich bin ich derzeit an einem Forschungsprojekt der Fachhochschule Wiesbaden über die Lebenssituationen älterer MigrantInnen beteiligt. Praxisorientiert zeigt dieses Projekt Bewältigungsstrategien für ein Leben im Alter auf und fördert somit die Lebensqualität älterer Menschen mit Migrationshintergrund. |
Was ist das Besondere an Ihrem pädagogischen Institut?
Die Sprachvielfalt. Wir bieten als einziges Institut in Europa
multilinguale Erziehungshilfe, Therapien und Nachhilfe in dieser
Bandbreite. Selbstverständlich arbeiten wir unabhängig vom
Bereich bei Bedarf bilingual. Aktuell wird in 29 Sprachen betreut,
therapiert und unterrichtet.
